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Pressemitteilungen

Neues Zentrum für therapieresistente Depressionen

Titelbild Zentrum für therapieresistente Depressionen
Im neuen Zentrum für therapieresistente Depressionen am LVR-Klinikum Essen werden Patient*innen mit schweren chronischen Depressionen mit modernen und schonenden Methoden behandelt.

Essen, 07. Oktober 2021 – Das LVR-Klinikum Essen bietet Menschen mit chronisch schweren Depressionen in seinem neuen Zentrum für therapieresistente Depressionen moderne Behandlungsmethoden an.

Das Gerät, das Oberarzt Thomas Zwarg dem Patienten an die linke Seite seines Kopfes hält ist eher unscheinbar, kann aber einiges bewirken. Das Gerät ist eine Magnetspule, die mit einem Computer verbunden ist. Patient*innen, die unter therapieresistenten Depressionen leiden, können nun im Zentrum für therapieresistente Depressionen am LVR-Klinikum Essen mit der noch recht neuen repetitiven transkraniellen Magnetstimulation (rTMS) behandelt werden.

Neuer Baustein in der nichtinvasiven Behandlung

„Die repetitive transkranielle Magnetstimulation ist neben bereits etablierter Verfahren in unserer Klinik eine weitere gute und nichtinvasive Behandlungsmöglichkeit für Patient*innen mit therapieresistenten Depressionen“, berichtet Prof. Dr. med. Norbert Scherbaum, Chefarzt der Klinik und Ärztlicher Direktor des LVR-Klinikum Essen. Bei diesen Patient*innen wirken Antidepressiva, auch aus verschiedenen Wirkstoffklassen, kaum oder gar nicht. Das betrifft rund ein Drittel der Menschen mit Depressionen. Und da setzt das LVR-Klinikum Essen mit seinem neuen Zentrum an. Die rTMS ist dabei nur eine der neuen, modernen und vor allem schonenden Behandlungsformen des Zentrums.

Repetitive transkranielle Magnetstimulation

Die rTMS hat nahezu keine Nebenwirkungen. Zudem haben mittlerweile einige Studien belegt, dass die rTMS akut antidepressive Effekte hat 1. „Die rTMS ist eine elegante Methode, um von außen nicht invasiv und schmerzlos in kleinen Gehirnarealen eine Veränderung der Gehirnzellenaktivität erreichen zu können“, erklärt Thomas Zwarg. Drei bis sechs Wochen lang stimuliert eine Magnetspule täglich mit einer Frequenz von einem bis 50 Herz etwa zehn bis 30 Minuten lang die Großhirnrinde der Patient*innen. „In der Magnetspule, die wie ein Hut aufgesetzt wird, wird ein magnetisches Feld erzeugt. Dieses Feld erzeugt wiederrum einen kurzen Impuls, der in den Hirnnervenzellen zu einer elektrischen Reaktion führt“, erläutert Zwarg. Die rTMS unterstützt dabei die Signalweiterleitung im Gehirn. Je nach Abstand der gesendeten Impulse wird die Aktivität in dem jeweiligen Gehirnareal gehemmt oder erhöht. Diese Veränderungen der Gehirnaktivität kann zu einer Linderung der Beschwerden beitragen. „Die rTMS ist eine wichtige neue Behandlungsoption für Menschen, die von einer antidepressiven Pharmakotherapie bisher nicht profitieren können“, so der Oberarzt.

Elektrokonvulsionstherapie

Neben der rTMS und bereits etablierten und bekannten Verfahren, wie Psychotherapie und die Behandlung mit Antidepressiva, bietet das LVR-Klinikum Essen Betroffenen von therapieresistenten Depressionen weitere Behandlungsmöglichkeiten: „Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern, etwa Großbritannien oder den USA, wird die Elektrokonvulsionstherapie oder Elektrokrampftherapie (EKT) in Deutschland seltener angewandt, obwohl an seiner Wirksamkeit bei richtiger Indikation keine Zweifel bestehen“, erklärt Norbert Scherbaum. Im LVR-Klinikum Essen wird die EKT bereits seit etlichen Jahren eingesetzt. Die Patient*innen werden für wenige Minuten unter Narkose und Muskelrelaxation gesetzt. Mit einer kurzen elektrischen Reizung des Gehirns wird ein Krampfanfall ausgelöst. Die Anfälle werden von den Patient*innen nicht bemerkt und sind kaum sichtbar. Der genaue Wirkmechanismus der EKT ist noch nicht geklärt. Die Wirksamkeit der EKT ist jedoch wissenschaftlich gut belegt. „Die EKT stellt bei richtiger Indikation die am schnellsten und am häufigsten wirksame Therapieform dar. Das kann unter Umständen lebensrettend sein“, sagt Norbert Scherbaum.

Vagusnerv-Stimulation

Ebenfalls noch recht kurz im Einsatz gegen therapieresistente Depressionen ist die Stimulation des Vagusnerv. Der Vagusnerv ist eine wichtige Verbindung zwischen Gehirn und Körper. In Kooperation mit der Klinik für Neurochirurgie des Universitätsklinikums Essen bietet das LVR-Klinikum diese Therapie seit 2018 an. Bei der Vagusnerv-Stimulation handelt es sich ebenfalls um eine nicht-medikamentöse Behandlungsform. Zunächst wird ein Generator unter die Haut unterhalb des Schlüsselbeins, ähnlich wie ein Herzschrittmacher, eingesetzt. Eine dünne Elektrode wird von dort aus mit dem Vagusnerv etwa auf Höhe des Kehlkopfes verbunden. Mit elektrischen Impulsen im unteren Milliampere-Bereich (0,25-2,25 mA) wird über die natürliche Verbindung des Vagusnervs die Energie schonend ins Gehirn geleitet, um dort seine Wirkung entfalten zu können. Bisherige Studien lassen darauf schließen, dass die depressiven Symptome merklich zurückgehen. Das Verfahren wird noch ausführlich wissenschaftlich untersucht.

Zentrum für therapieresistente Depressionen

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Spende: 6000 Euro für Betroffene der Hochwasserkatastrophe

Die Vorstandsvorsitzende Jane E. Splett und Thomas Koch, Leiter der Haustechnik und Mitinitiator der Spende mit dem Spendenscheck über 6000 Euro. (Foto: Krämer, LVR)
Die Vorstandsvorsitzende Jane E. Splett und Thomas Koch, Leiter der Haustechnik und Mitinitiator der Spende mit dem Spendenscheck über 6000 Euro. (Foto: Krämer, LVR)

Essen, 17. September 2021 – Die Mitarbeitenden des LVR-Klinikum Essen spenden für die vom Hochwasser im Juli betroffenen Menschen.

Aufgrund der Pandemie konnte das LVR-Klinikum Essen 2020 und 2021 kein Fest für seine rund 1000 Mitarbeitenden feiern. Und so war ein vierstelliger Betrag übrig, der sonst für die Feste im Sommer ausgegeben worden wäre. Die Mitarbeiterschaft verzichtete darauf, sich das Geld auszahlen zu lassen. „Stattdessen kamen kurz nach der Hochwasserkatastrophe Mitte Juli viele Mitarbeitende auf uns zu, dass sie ihren Anteil gerne spenden wollen“, berichtet die Kaufmännische Direktorin und Vorstandsvorsitzende des LVR-Klinikum Essen, Jane E. Splett.

„Unsere Mitarbeitenden sind zwar größtenteils vom Hochwasser und den Auswirkungen ver-schont geblieben, aber die Betroffenheit im Kollegium und beim Klinikvorstand ist heute noch groß, sodass wir die Spende an die Aktion Deutschland Hilft gerne in die Wege geleitet haben“, so Splett. Die Summe wurde mit zusätzlichen Spenden aus dem Kollegium auf 6000 Euro aufgerundet.

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Ausgezeichnet: LVR-Klinikum Essen ist attraktiver Arbeitgeber im Gesundheitswesen 2021

v.l.n.r.: Prof. Dr. Martin Teufel, Direktor der LVR-Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Katrin Kolditz, stv. Kaufmännische Direktorin, Jane E. Splett, Kaufmännische Direktorin und Vorstandsvorsitzende, Nina König, Unternehmensberatung ZEQ.
v.l.n.r.: Prof. Dr. Martin Teufel, Direktor der LVR-Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Katrin Kolditz, stv. Kaufmännische Direktorin, Jane E. Splett, Kaufmännische Direktorin und Vorstandsvorsitzende, Nina König, Unternehmensberatung ZEQ.

Essen, 13. September 2021 - Die Unternehmensberatung ZEQ hat uns als Attraktivster Arbeitgeber im Gesundheitswesen 2021 ausgezeichnet.

Diese Auszeichnung hat das LVR-Klinikum Essen erhalten, weil uns unsere Mitarbeitenden bei der diesjährigen Mitarbeitenden-Befragung sehr positiv bewertet haben. Am besten schneiden wir laut unseren Beschäftigten bei der Dienstplangestaltung, den Arbeitszeiten und der Vereinbarkeit von Familie und Beruf ab. Damit sind den Ergebnissen zufolge 91 Prozent der Teilnehmenden sehr zufrieden. Im Vergleich zur Mitarbeitenden-Befragung 2018 würden uns nun mehr Mitarbeitende als Arbeitgeber weiterempfehlen und sich auch wieder im LVR-Klinikum Essen bewerben.

Große Freude

„Wir freuen uns sehr über diese Auszeichnung, da wir sie nur bekommen haben, weil unsere Mitarbeitenden sehr zufrieden mit uns als Arbeitgeber sind“, sagte Jane E. Splett, Kaufmännische Direktorin des LVR-Klinikum Essen, bei der heutigen Verleihung. „Es ist uns wichtig, dass wir im pflegerischen, therapeutischen und ärztlichen Dienst zufriedene Mitarbeitende haben, denn nur so können wir auch auf die Bedürfnisse unsere Patientinnen und Patienten eingehen“, so Splett.

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Corona-Lockdown schränkte illegalen Drogenkonsum nicht ein

Bild zeigt links das Porträtbild von Prof. Dr. med. Norbert Scherbaum, links daneben ist sein Zitat zu lesen: "Zu Beginn des 1. Lockdowns befürchtete das Hilfesystem, dass mehr Drogenabhängige Hilfe brauchen."
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Suchtmediziner und Drogenhilfeeinrichtungen befürchteten zu Anfang der Covid-19-Pandemie und des ersten Lockdowns in Deutschland, dass Abhängige von illegalen Drogen enorme Schwierigkeiten mit der Drogenbeschaffung haben könnten. „Diese angenommenen Schwierigkeiten hätten Krisen bei den drogenabhängigen Menschen auslösen und das Hilfesystem überfordern können“, erklärt Prof. Dr. med. Norbert Scherbaum den Anlass für die Studie ‚Verfügbarkeit illegaler Drogen in Westdeutschland während der Pandemie‘. Die Ergebnisse der Studie zeigen nun, dass die Pandemie kaum Auswirkungen auf den Konsum illegaler Drogen hatte.

In zehn Entzugsstationen von Suchtkliniken, einem Krisen-Café eines Drogenkonsumraums und in einer Ambulanz zur ärztlichen Heroinverschreibung in Nordrhein-Westfalen wurden drogenabhängige Menschen befragt, ob und welche Folgen der Lockdown auf ihren Drogenkonsum hatte.

337 anonyme Fragebögen konnte die Forschungsgruppe Sucht des LVR-Klinikum Essen auswerten. Die meisten Teilnehmenden gaben an, dass sie hauptsächlich Cannabis, Heroin oder Kokain konsumieren.

81 Prozent der Befragten gab an, dass sich ihr Konsum nicht verändert hat. Dafür gab es wohl auch keinen Grund, da die bevorzugten Drogen nach wie vor auf dem Schwarzmarkt verfügbar waren.

Keine Versorgungsengpässe

„Der allgemeine Flugverkehr ist zwar gesunken, aber der Transport per Schiff oder als Flugfracht lief weiter und damit auch der Transport von Heroin und Kokain, die meistens aus Südamerika oder Afghanistan kommen“, erklärt der Ärztliche Direktor des LVR-Klinikum Essen die ungebrochene Verfügbarkeit dieser Drogen. Eine Einschränkung des Cannabis-Anbaus in Europa konnte die Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EMCDDA) ebenfalls nicht feststellen, weshalb es auch hier keine Versorgungsengpässe für die Konsumenten gab. Allerdings berichten knapp 30 Prozent der Befragten, dass sich die Qualität verschlechtert habe, rund 15 Prozent geben an, dass die Preise gestiegen sind.

Internet wird kaum als Bezugsquelle genutzt

Da diese Drogen weiterhin uneingeschränkt verfügbar waren, sind nur sehr wenige der Befragten auf neue psychotrope Substanzen oder synthetische Opioide umgestiegen. „Zudem sind nicht mal zwei Prozent der Befragten auf das Internet als Bezugsquelle umgestiegen“, so Scherbaum. Dies war zum einen für die Drogenbeschaffung gar nicht notwendig. Zum anderen gaben nur zwei Drittel der Befragten an, über einen Internetzugang zu verfügen. Auch haben mutmaßlich nur die wenigsten Drogenabhängige die finanziellen Mittel bzw. die technischen Möglichkeiten über das Darknet Drogen zu bestellen und zu bezahlen.

„Unsere Befürchtung bewahrheitete sich also nicht“, resümiert Suchtexperte Scherbaum. Ob und wie sich der Drogenkonsum langfristig aufgrund der Einschränkungen durch die Pandemie ändert, wird nun weiter erforscht.

Zur Studie in englischer Sprache

Mehr zum Thema Drogenkonsum, Substitution und neue psychotrope Substanzen finden Sie auf hier unserem YouTube-Kanal.

Beteiligte Suchtkliniken und Drogenhilfeeinrichtungen:

  • Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, LVR-Klinikum Essen, Universität Duisburg-Essen
  • Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatische Medizin, Evangelisches Krankenhaus Castrop-Rauxel
  • Psychopharmacology, Substance Misuse and Novel Psychoactive Substances Research Unit, University of Hertfordshire
  • Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, LWL-Klinik Marsberg
  • Abteilung für Abhängigkeitserkrankungen, LVR-Klinik Langenfeld
  • Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, Johanniter Krankenhaus Oberhausen
  • Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universität zu Köln
  • Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, St. Marien Krankenhaus Eickel
  • Vitos-Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Herborn
  • Suchtmedizin, LWL-Klinik Dortmund
  • Medizinisches Zentrum für Seelische Gesundheit, Krankenhaus Lübbecke-Rahden
  • Vertretungsambulanz, Gesundheitsamt der Stadt Köln

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Sind wir Pandemiemüde?

Bild zeigt fünf Personen im Profil, die nebeneinander stehen.
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Die Ergebnisse der Studie zeigen: Die Menschen sind zunehmen psychisch belastet.

Essen, 02. März 2021Die Ergebnisse einer Studie zu den psychischen Auswirkungen der Covid-19-Pandemie und der Lockdowns der LVR-Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie Essen zeigen eine kontinuierlich hohe psychische Belastung der Menschen, welche auf eine Pandemiemüdigkeit zurückzuführen sein könnte.

Das Forschungsteam um den Studienleiter und Direktor der LVR-Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am LVR-Klinikum Essen, Prof. Dr. med. Martin Teufel, kommt zu dem Ergebnis, dass die Menschen weiterhin und zunehmend psychisch belastet sind. Das Forschungsteam hat die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen des ersten und zweiten Lockdowns untersucht: „Die mentale Gesundheit verschlechtert sich weiter, die Symptome einer Depression stiegen sogar während des sogenannten „Lockdown-light“ im November“, berichtet Prof. Teufel.

Weniger motiviert

Gleichzeigt nehme das Sicherheitsverhalten der Menschen ab. „Wir gehen von einer generellen mentalen Erschöpfung und einer sinkenden Motivation aus, die Sicherheitsregeln zu befolgen“, so Teufel. Vor allem im Herbst seien die Kontaktbeschränkungen im Vergleich zum Sommer 2020 wieder strenger und die Möglichkeiten, etwa Sport zu treiben weniger geworden.

Mehr Zugänge zu psychologischer Hilfe

Die Ergebnisse des Vergleichs zwischen den Lockdowns zwischen dem 15. März bis 4. April und dem 2. November bis 22. November 2020 lassen die Interpretation zu, dass die Menschen Pandemiemüde seien. „Das Ergebnis stärkt das Argument, dass mehr niedrigschwellige Zugänge zu psychologischen Hilfen notwendig sind“, so das Forscherteam.

Forscherteam:

Sheila Moradian, Alexander Bäuerle, Adam Schweda, Venja Musche, Hannah Kohler, Madeleine Fink, Benjamin Weismüller, Anke-Verena Benecke, Nora Dörrie, Eva-Maria Skoda, Martin Teufel

Link zur Studie in englischer Sprache: https://doi.org/10.1093/pubmed/fdab037

Link zur Teilnahme an der Studie: corona-umfrage.de

Link zum Online-Training CoPE IT: https://cope.it.cope-corona.de/

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