EX-IN-Genesungsbegleiter*innen
Wofür steht EX-IN?
EX-IN ist vom englischen „Experienced Involvement“ abgeleitet und bedeutet „Beteiligung von Erfahrenen“. EX-IN Genesungsbegleitende sind Menschen, die bereits eigene Erfahrungen mit psychischen Erkrankungen gemacht haben und nach einer systematischen Peer-Ausbildung in der psychiatrischen Versorgung arbeiten. Ausreichende psychische Stabilität ist dafür Voraussetzung.
In der LVR-Universitätsklinik Essen arbeiten seit 2016 EX-IN Genesungsbegleitende in einem unbefristeten Arbeitsverhältnis. Mittlerweile arbeiten neun Genesungsbegleiter*innen auf verschiedenen Stationen unserer Klinik.
Die Patientinnen und Patienten sowie Mitarbeitende schätzen die Genesungsbegleitenden als gute Ergänzung und Bereicherung zu unserem Behandlungsangebot.
Die Arbeit von Genesungsbegleiterinnen und -begleitern umfasst verschiedene Aufgaben, beispielsweise Patient*innengespräche führen, Gruppenangebote gestalten oder das therapeutische und pflegerische Team durch Einbringen der Patient*innenperspektive unterstützen.
Grundsätze der EX-IN Arbeit
- Jeder Mensch hat das Potential zur Genesung.
- Jeder Mensch kann grundsätzlich eigenverantwortlich handeln und
- autonome Entscheidungen über Hilfeformen treffen.
Ausbildung
Die Ausbildung zur/zum EX-IN Genesungsbegleiter*in ist eine Teilzeitausbildung und in zwei Semester unterteilt. Inhalte der Ausbildung sind beispielsweise Salutogenese (Gesundheitsfördernde Haltung), Empowerment (Ermächtigung, Übertragung von Verantwortung), Erfahrung und Teilhabe, Fürsprache, Krisenbegleitung und das Reflektieren der eigenen Krankheits- und Genesungsgeschichte. Zusätzlich sammeln Auszubildende praktische Erfahrung in Arbeitsfeldern, in denen Genesungsbegleiter*innen tätig werden können.
Keine Ausbildungsstätte
Die LVR-Universitätsklinik ist keine Ausbildungsstätte für Ex-In-Genesungsbegleitende. Unsere Genesungsbegleiter*innen bieten aber gerne an, dass Praktika im Rahmen der Ausbildung bei uns in der Klinik auf den Stationen absolviert werden können, wo unsere Genesungsbegleitenden arbeiten. Bei Interesse an einem Praktikumsplatz wenden Sie sich bitte an unsere übergeordnete Ansprechperson:
Claudia Himmel (claudia.himmel@lvr.de) (Leitung der Stabsstelle Pflegeentwicklung)
Das sagen andere über uns
„Ich finde das Prinzip sehr hilfreich, die Hemmschwelle mit einem Genesungsbegleiter ist nicht so groß. Ein Genesungsbegleiter ist eine Brücke zwischen Patient und dem Pflegeteam. Es ist einfacher, auf einen Genesungsbegleiter zu zugehen.“
Patient
„Genesungsbegleiter sind eine unverzichtbare Unterstützung bei der Behandlung von Menschen, die in der Psychiatrie aufgenommen werden. Die Patienten finden nicht nur Unterstützung von Gleichgesinnten, sondern auch eine Atmosphäre des Verstehens und der Solidarität. Dies verstärkt das Gefühl von Gemeinschaft und ermutigt die Patienten, den Weg der Genesung weiter zu verfolgen. Die Geschichte der Genesungsbegleiter ist ein lebendiges Beispiel dafür, dass Heilung und Hoffnung möglich sind.“
Mitarbeiterin
„Genesungsbegleiter bringen eine Professionalität ins Behandlerteam, die sich in keinem Lehrbuch finden lässt. Von ihrem Wissen profitieren Patienten und das multiprofessionelle Team gleichermaßen.“
Mitarbeiterin
Unsere Genesungsbegleiterinnen und Genesungsbegleiter stellen sich vor
Lernen Sie auf dieser Seite unser Team kennen und erfahren Sie mehr über die individuellen Wege und Schwerpunkte der einzelnen Genesungsbegleitenden.
Heiko Lenzen
Ich arbeite seit 2022 als Genesungsbegleiter auf einer allgemeinpsychiatrischen Station. Zu meinen Aufgaben gehören:
Patienten Gespräche anzubieten, um zu verstehen, wie ihre Sicht zur Krankheit oder dem Aufenthalt im Krankenhaus ist; Erfahrungsaustausch auf Augenhöhe; immer ein offenes Ohr haben. Außerdem Patienten motivieren, an Therapien teilzunehmen, sowie gegebenenfalls zu erläutern, wozu diese Therapien da sind.
Ich biete eine Kochgruppe sowie eine Backgruppe jeweils einmal die Woche an und gemeinsame Spaziergänge, um den Kopf freizubekommen. Manchmal bin ich auch Vermittler für Patienten, um Missverständnisse zu klären zwischen Patienten oder dem multiprofessionellen Team.
Was mir damals bei meinem Genesungsweg geholfen hat: Menschen, die sich für mich interessiert haben und mich motivierten. Zuhörer zu haben, die meine Probleme ernst nehmen und es nicht bewerten. Mich trauen, Hilfe anzunehmen und in eine Langzeittherapie zu gehen. Lernen, mich auf Neues und neue Wege einzulassen.
Es war gut, mir die Realität vor Augen zu halten und dies half mir zu sehen, was ich vielleicht nicht sehen wollte. Mir das Gefühl zu geben, dass ich mehr bin als ein Süchtiger, der nur Probleme macht. Wertschätzung führt zu Selbstvertrauen!
Mein Motto ist: „Aufgeben ist keine Option. Wenn man kämpft kann man verlieren, wenn man nicht kämpft, hat man schon verloren.“
Pamela Herke
Ich arbeite seit Mai 2021 als Genesungsbegleiterin auf der geschützten Drogenentgiftungsstation. Ich moderiere die Morgenrunde, biete Patienten die Möglichkeit, täglich Gesprächsangebote mit mir zu nutzen, auf Wunsch auch mit ihren Angehörigen. Zweimal im Monat begleite ich interessierte Patienten zur Selbsthilfegruppe der Narcotics Anonymous in die Essener Innenstadt.
Manchmal begleite ich auch ins häusliche Umfeld, wenn vor der Entlassung z.B. noch Konsumutensilien entsorgt werden müssen. Zu meinen Aufgaben gehört auch das Einkaufen mit Patienten, Behördengänge, Konsile zu externen Ärzten sowie Spaziergänge. Auch das Kennenlernen mancher Patienten von weiterführenden Therapie-Einrichtungen wird durch mich begleitet. Diese Art von Betreuung kann einen bedeutenden Einfluss auf die Genesung und das langfristige Wohlbefinden der Patienten haben. Menschen, die mit psychischen Herausforderungen konfrontiert sind, können sich durch meine Geschichte ermutigt fühlen und möglicherweise neue Perspektiven für ihre eigene Genesung entdecken.
Auf meinen Genesungsweg hatte ich unter anderem Menschen an meiner Seite, die mir zugehört haben und bei denen ich mich verstanden fühlte, ohne dass sie meine Aussagen oder mein Handeln bewertet bzw. verurteilt haben.
„Man sieht nur mit dem Herzen gut.
Das wesentliche ist für das Auge unsichtbar.“
Antoine de Saint-Exupéry
Thomas Marcinek
Ich arbeite als Genesungsbeleiter in der forensischen Psychiatrie. Mein Arbeitsschwerpunkt ist die Psychoedukation gegenüber Patienten mit dem Schwerpunkt der Schizophrenie, in der ich selbst: „Experte aus Erfahrung“ bin. Weitere Arbeitsfelder sind zum Beispiel:
- kreativer Ideengeber für die Zeitnutzung.
- Erzähler von motivierenden Geschichten
- Patienten zum Lachen bringen
Der Hintergrund meiner Arbeit, die Patienten auf den Genesungsweg zu schicken, auf dem ich sie anfangs ein Stück begleiten kann.
Am meisten hat mir auf meinem Genesungsweg ein „menschliches“ Entgegentreten und eine Spiegelung der „Realität“ geholfen.
Mein Motto: „Die Genesung beginnt da, wo Krankheit weniger wird,
und Hoffnung für die Zukunft entsteht.“
Marius Brückner
Ich arbeite als Genesungsbegleiter auf der Komfortstation (Wahlleistungsstation) der LVR-Universitätsklinik Essen. Bei uns werden Patienten mit verschiedenen Krankheitsbildern behandelt.
Ich begreife psychisch erkrankt zu sein auch als eine Aufforderung des Lebens, sich selbst besser kennenzulernen. Es zwingt uns, auf uns selbst zu hören, um zu verstehen, was uns fehlt.
So war es auch bei mir. Ich bin mit 17 Jahren erstmals schwer erkrankt und widmete mein Leben von dort an der Frage, warum ich so unglücklich war. Dabei sammelte ich auf praktischem Wege viel Wissen darüber, was ein erfüllendes Leben für mich ausmacht. Mein Weg war sehr abenteuerlich, forderte Kreativität, Flexibilität, Mut, Akzeptanz und Geduld.
Ich habe mich aufgrund meiner langen Krankheitsgeschichte weitschweifig ausprobiert und viele Dinge kennengelernt. Ich versuche alles, was mir sinnvoll erscheint, in meine direkte und indirekte Arbeit mit den Patienten einzubringen. Ich mag es, Leute mit sich selbst in Kontakt zu bringen, wozu ich Achtsamkeit, Meditation, gezielte Gespräche, Musik und Bewegung in verschiedener Form nutze. Besonders wichtig finde ich dabei Sport. Mein Herzensanliegen ist es jedoch, die Patientengemeinschaft zu stärken.
Der Weg der Selbsterkenntnis endet meiner Meinung nach nie. Die Arbeit als Genesungsbegleiter in der psychiatrischen Patientenversorgung wie auch die mehrdimensionale Arbeit in multiprofessionellen Netzwerken bringt mir viel darüber bei, wer ich bin, wer ich sein möchte und was ich alles kann.
„Es ist besser, sich selbst zu erobern, als tausend Schlachten zu gewinnen. Der Sieg ist deiner.“
Buddhistische Weisheit
Birsen Özmen
Seit 2021 bin ich Genesungsbegleiterin auf einer offen geführten Station, auf der Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen behandelt werden. Zu meinen Aufgaben auf der Station gehören tägliche Zimmervisiten bei den Patienten. Hierbei biete ich Gespräche an und erfahre, ob Rede- oder Zuhörbedarf bestehen und wie das aktuelle Stimmungsbild ist. Zudem vermittele ich Patienten hilfreiche Werkzeuge, um aus bestimmten emotionalen Zuständen heraus zu kommen. Oft tut ein offenes Ohr und ein kleiner Spaziergang große Wunder.
Neben dieser Tätigkeit erinnere und motiviere ich, an dem angebotenen Therapien teilzunehmen. In manchen Situationen biete ich mich den Patienten als „Brückenbauerin“ zwischen Ihnen und dem Therapeuten- und Pflegeteam an. Auf Wunsch begleite ich Patienten auch außerdem der Klinik zu Institutionen und Einrichtungen.
Zum Wochenabschluss biete ich eine Backgruppe an, in der wir gemeinsam bei Kaffee und Kuchen die zurückliegende Woche reflektieren oder einfach nur reden.
Was mit bei meiner Genesung damals geholfen hat: Vor allem war es die Tatsache, dass mir jemand zugehört hat, ohne zu bewerten, und ich mich verstanden gefühlt habe. Und auch in der Musik, im Klavierspielen, fand ich ein Ventil, in der meine Gefühle Trost und Anerkennung finden konnten.
Mein Lieblingszitat: „Selbstmitgefühl funktioniert besser als Schokolade.“
Kristin Neff
Markus Scheffler
Ich arbeite als Genesungsbegleiter auf einer Station, auf der vorrangig Menschen mit einer Persönlichkeitsstörung behandelt werden. Bevor Patient*innen behandelt werden, führe ich Entlassungsgespräche. Zweimal die Woche gestalte ich mit dem Pflegeteam eine Recovery-Gruppe.
Zu meinen Aufgaben gehören auch:
- Begleitung der OberarztvisiteTeilnahme an der Teamsitzung
- Beteiligung an der Pflegeübergabe
- Teilnahme an den Wochenendrunden
Bei meiner Arbeit ist mir wichtig, dass ich die Sichtweise eines Betroffenen dem multiprofessionellen Team näher bringen kann. Auch möchte ich den Patient*innen Mut machen und Hoffnung auf ihrem Genesungsweg geben.
Auf meinem Genesungsweg haben mir meine Therapieaufenthalte, die Akzeptanz meiner Erkrankung und die Einzelgespräche mit dem Therapeuten am meisten geholfen.
Mein Motto: „Wenn du denkst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her.“
Marie Hoffmann
Ich bin Genesungsbegleiterin für Jugendliche im Alter von 13 bis 18 Jahren auf einer der Stationen der Kinder- und Jugendpsychiatrie.
Ich arbeite eng mit dem Pflege- und Erziehungsdienst zusammen, bin bei der wöchentlichen Außenaktivität dabei, beteilige mich an der freitagnachmittags stattfinden Spiele-AG und werde selbst mit kreativ bei dem Kunstprojekt UnArt.
Ich versuche, stets Ansprechperson für die Jugendlichen zu sein und immer ein offenes Ohr zu haben für ihre Sorgen, Ängste und Gedanken. Ich teile mit Ihnen meine persönlichen Erfahrungen, um bestenfalls Mut zu machen und Hoffnung zu schenken. Manchmal spiele ich auch einfach nur Karten mit den Jugendlichen, damit sie in lockerer Umgebung den Klinikalltag etwas vergessen können.
Für meine eigene Genesung war und ist es mir wichtig, Geduld zu üben, mir verzeihen zu können, Dinge zu akzeptieren, die ich nicht verändern kann und Menschen um mich zu haben, die sehen, wie ich bin, mit allen Facetten und mich so annehmen. „Ich bin mehr als meine Diagnose!“ und zudem achtsam und fürsorglich mit mir selbst zu sein und mir professionelle Hilfe zu holen, wenn sie nötig ist. Nicht zu vergessen meine Tätigkeit als Ex-In Genesungsbegleiterin, die meiner Biographie und meinem Leben im Hier und Jetzt Sinn gibt.
„Gib niemals auf, denk fest daran, dass jeder Tag etwas verändern kann. Glaub, was das Leben dir verspricht: Auf Dunkelheit folgt Licht.“
Band: Drei Meter Feldweg, Song: Gib niemals auf